Yingde Cups 2010

Jetzt ist der ausführliche Bericht von Daniel Többens online!

 

Das deutsche Team in Shanghai 2010 - Rövekamp, Többens und Wartlick

Das Deutsche Team: Frank Rövekamp, Daniel Többens und Karl Wartlick

 

Anmeldungen aus Europa

Deutschland / 德国

  • Karl Wartlick
  • Frank Rövekamp
  • Daniel Többens

Österreich / 奥地利

  • Thomas Pfaffel

Weißrussland / 白俄罗斯

  • Siarhei Lysenka
  • Yura Grunkovskiy

Italien / 意大利

  • Mitsuki Akiyama
  • Marco Milone
  • Nicola Caridi

Frankreich / 法国 

  • Jean Fortin

 

Kurzbericht von Frank Rövekamp

Ganz schnell ein paar Ergebnisse aus Shanghai. Insgesamt haben wir uns ganz gut geschlagen. Insbesondere Daniel, der in der B-Gruppe den 2. Platz belegt hat!
Als Team sind wir 9. von 36 geworden, punkgleich mit einigen über uns stehenden Teams.

Die Dan-Gruppe hatte es wirklich in sich, jede Menge 4. und 5. Dan aus Japan und ganz junge hungrige Chinesen zwar noch mit niedrigen Dans aber brandgefährlich.

Ich habe mich mit 3 aus 5 ganz achtbar geschlagen, bei Karl hatte ein wenig der Jetlag durchgeschlagen (1 aus 5). Die Dan-Gruppe gewonnen hat übrigens Naoki Iriuma, 4. Dan aus Japan, neun Jahre alt, sieht aber aus wie sechs.

 

Bericht von Daniel Többens

Der dritte Yingde Cup, genauer das dritte Schanghaier Internationale Shogi Einladungsturnier "Yingde Cups". Ich hatte zwar den ganzen November über kräftig trainiert, aber war mir trotzdem sehr unsicher, in was für ein Wespennest starker asiatischer Spieler ich da hinein gerate. Also plane ich den Jetlag möglichst vollständig abzubauen und reise deswegen schon am Dienstag vor dem Turnier an. Das war wohl eine gute Idee; zumindest war ich beim Turnier topfit. Bis dahin verbringe ich die Tage mit den Dingen, die Touristen so in Schanghai machen: Fast echte, vor zehn Jahren wiederaufgebaute Tempel besichtigen. Im Altstadtviertel die lebenden Frösche, Seegurken und Schildkröten der Lebensmittelhändler besichtigen, um dann doch nur einen Teller Schnecken zu essen. Fast sicher falsche Antiquitäten besichtigen. Fast sicher echte Antiquitäten kaufen; zumindest hoffe ich es war nicht andersherum. Einen neuen Mantel maßschneidern lassen. In den edlen Boutiquen der Französischen Konzession Weihnachtsgeschenke aus Seide und Kaschmir einkaufen. Ein neues Kofferset kaufen, um all das nach Hause zu schaffen. Hatte ich erwähnt, daß man in Schanghai gut einkaufen kann? Abends in der Bar Cloud 9 im 87ten Stock des Yin Mao Towers einen 12 € Cocktail schlürfen und dabei den grandiosen Ausblick über die Stadt genießen.

Zwischenzeitlich habe ich meine E-Mail abgerufen und erfahren, daß sich der Spielort geändert hat. Damit waren dann meine sorgfältig ausgedruckte Karte und die Adresse auf Chinesisch für den Taxifahrer nutzlos. Es sollte nicht die letzte Überraschung werden. Das Shuangyong Hotel, in dem das Turnier stattfand und wo auch die Spieler untergebracht waren, ließ dagegen kaum Wünsche offen. Die Unterbringung im Doppelzimmer, ich mit Karl und Frank mit Thomas, ist verständlich bei der Preisgestaltung in Asien, wo der Zimmerpreis unabhängig von der Belegung ist. Und die Registrierung versprach Interessantes für die kommenden Tage: Mehrere japanische Profis. 130 Spieler aus ganz China, Japan, Europa und Südamerika. Vor allem die Chinesen waren sehr jung; 20XX als Geburtsdatum war häufiger als 19XX. Ich kam mir schon richtig alt vor, und zu sehr zu verlieren würde echt peinlich werden. Am Samstag ging es dann mit einem Trainingsturnier los. Das Feld war, wie auch im Hauptturnier, in drei Klassen geteilt - Dan-Spieler in der A-Klasse, 1-6 Kyu in der B-Klasse, 7 Kyu und darunter in der C-Klasse. Dieser Tag wurde als Handicap-Turnier gespielt, ohne feste Rundeneinteilung. Statt dessen wurden möglichst schnell neue Gegner zugewiesen. Spieler mit drei Niederlagen schieden aus. Ein erträgliches Schicksal, da man dann simultan gegen die anwesenden Profis spielen konnte. Dazu kam es bei mir aber nicht, weil ich meine vier Spiele alle gewann. Ich war nicht der einzige, andere hatten mehr Spiele, und so mußte ich mich bei der Preisverleihung hinten anstellen: Die Urkunde für die meisten Siege und die längste Gewinnsträhne in der B-Klasse gingen an junge Chinesen, mir wurde die Urkunde für das beste Sieg-zu-Niederlagen-Verhältnis zuerkannt. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, daß meine Chancen am morgigen Tag so schlecht nicht waren.

Am Sonntag begann dann das eigentliche Turnier. Nach einigen Reden verschiedener offizieller Vertreter und Sponsoren, immer übersetzt ins Japanische und Englische, und dem Abspielen der Nationalhymne ging es los. Fünf Runden Schweizer System. Kurz vor Beginn der ersten Runde bekam ich noch mit, daß die Spiele mit 20 Minuten pro Seite gespielt wurden. Angekündigt im Programmheft waren zusätzlich 30 Sekunden Byoyomi.  Wenigstens ging es mir nicht wie dem Spieler aus Weißrußland, der von dieser Veränderung mit noch 60 Sekunden auf der Uhr erfuhr. Überhaupt war der Informationsfluß leicht verbesserungswürdig. Beispielsweise sollten auch die Teams für die Mannschaftswertung eigentlich aus je einem Spieler pro Klasse bestehen. Mit unserem "2 A + B"-Team erhielten wir statt dessen 3 Punkte für die C-Klasse und die Punkte des besseren A-Spielers würden gewertet werden. Ein Handicap bei bis zu fünf Punkten pro Klasse. Aber zurück zum eigentlichen Turnier: Mein erster Gegner war ein achtjähriger Chinese, 1 Kyu, der mich mit einer extrem aggressiven Technik angriff. Ein sofortiger steigender Silber, ohne auch nur einen Zug auf die Verteidigung zu verschwenden. Ich konnte mich gerade noch rechtzeitig zusammenreißen, investierte einige kostbare Minuten in das Durchdenken der besten Abwehr und konnte dann im Gegenschlag mit dem Turm ins feindliche Lager durchbrechen. Und das war das. Die weiteren Spiele in der B-Klasse waren ähnlich. Die durchgehend sehr jungen Chinesen (und ein ebenfalls sehr junger Japaner), mit denen ich es zu tun bekam, spielten alle sehr aggressive, angriffsbetonte Eröffnungen. Aber bei der Verteidigung hatten sie große Defizite. Nicht nur, das sie nur wenige Züge in die Verteidigung investierten. Es wurde häufig auch eine andere als die optimale Festung gewählt. Oder in einem ungünstigen Moment der Kampf eröffnet. Mein Eindruck der chinesischen Spieler, genauer der jungen chinesischen Hoch-Kyu die zum Yingde Cup geschickt wurden, war ein deutliches Defizit in der Theorie. Und in Mittel sind diese Spieler wohl doch deutlich höher eingestuft, als sie es in der FESA wären. Nun, mir war das nur recht, und ehe ich mich versah hatte ich fünf Spiele gewonnen und stand im Halbfinale. Hier spielten nur noch die jeweils vier besten Spieler jeder Gruppe, so das sich zum ersten Mal größere Zuschauergruppen bildeten. Obwohl, auch heute waren die Simultanspiele der Profis wieder eine verlockende Konkurrenz. Im Finale stand ich dann zum ersten Mal einem älteren Spieler gegenüber, Gao Lixuan, 1 Kyu aus Schanghai, und 24 Jahre alt. Und sofort änderte sich das Spiel. Die Mitschrift ist verfügbar, deswegen will ich nur sagen, daß mein Angriff an seiner ruhigen Verteidigung zerbrach und ich ab der Hälfte des Spieles begann, Fehler zu machen. Und so war es am Ende dann nur der zweite Platz in der B-Klasse. Zurück nach Österreich nahm ich einen Pokal, eine Urkunde, eine Kaligraphie von Shoshi Kazuharu 7-Dan (von ihm freundlicherweise auch gleich für mich übersetzt), ein Satz sehr schöner Koma und eine Menge Erinnerungen. Vor der Rückreise gab es natürlich noch die chaotische Stadtbesichtigung am Montag, ein Profi-Vorgabespiel (Lanze, verloren) mit den kostbarsten Koma, die ich je in Händen hatte, Essgelage noch größer als die an den vorhergegangenen Abenden und noch vieles mehr. Aber das muß man selber mitgemacht haben um es zu würdigen. Ich auf jeden Fall rate jedem Spieler, sollten wir wieder einmal nach Schanghai eingeladen werden, um einen Platz in der Mannschaft zu kämpfen.

 

Daniel Többens in Shanghai 2010

 

Finalpartie von Daniel Többens

Dies ist das Finale in der B-Klasse (1 Kyu bis 6 Kyu) des Dritten

Schanghaier Internationalen Shogi Einladungsturnier "Yingde Cups" 2010. Vorausgegangen ist ein fünfrundiges Vorturnier im Schweitzer System und das Halbfinale der vier Bestplatzierten. Die Spielzeit ist 30 Minuten pro Spieler, ohne Byoyomi. Mitschreiben war da natürlich nicht möglich. Aber für die Finalspiele wurden Schreiber abgestellt, und zumindest unserer hat das sehr gut gemacht.

Schwarz: Daniel Többens, 3 Kyu, Deutschland
Weiß:    Gao Lixuan, 1 Kyu, China, Schanghai

  1) P7g-7f     2) P3c-3d
  3) P6g-6f     4) S7a-6b
  5) R2h-6h     6) P8c-8d
  7) K5i-4h     8) K5a-4b
  9) K4h-3h    10) K4b-3b
 11) P1g-1f    12) P1c-1d
 13) K3h-2h    14) P2c-2d
 
Ich hatte so etwas wie G 6a-5b erwartet, um die Bootsfestung zu bauen. Oder P 5d, um die Mitte zu besetzen. Was hat mein
Gegner hier nur vor? K 2c?
 
 15) S3i-3h    16) P5c-5d
 
Mein König steht einigermaßen sicher. Wenn der Kampf jetzt beginnt sollte das gut für mich sein. Also Torpedos los und volle Kraft voraus.
 
 17) P6f-6e    18) B2bx8h
 19) S7ix8h    20) B*4d
 21) S8h-7g    22) S6b-5c
 23) S7g-6f    24) P8d-8e
 25) B*7g      26) P7c-7d
 27) P5g-5f    28) P8e-8f
 
Zuerst konnte ich mir keinen Reim auf dies Bauernopfer machen. Aber mein Läufer kann nicht mehr nach 9e, mit dem leeren Feld auf 8g hat Weiß eine Möglichkeit in meinem Lager einzusetzen und der Turm kann bei Bedarf schnell durchbrechen.

 29) P8gx8f    30) N2a-3c
 31) P5f-5e    32) B4d-3e
 33) R6h-5h    34) P5dx5e
 35) S6fx5e    36) P*5g

Bis jetzt läuft es genau so, wie ich es erwartet habe.

 37) R5h-6h    38) R8b-5b
 39) P6e-6d    40) S5cx6d
 41) S5ex6d    42) P6cx6d
 43) R6hx6d    44) P*6b
 45) P*5d      46) S*7c
 
Besser wäre wohl S*6c gewesen. So oder so habe ich jetzt zwei Möglichkeiten: Den Turm zurückziehen nach 6e oder den Angriff forcieren mit P5c+, Rx5c, Rx3d.
 
 47) R6d-6e    48) R5bx5d
 49) P*5e      50) R5d-5b
 
Gut wäre jetzt S*4f, um den gefährlichen Bauern auf 5g zu beseitigen. Oder auch P*6d; ein Angriff der dann je nachdem mit S*5d, S*3c oder S*6a fortgeführt werden kann. Statt dessen setze ich S*5d, was nirgendwohin führt. Ich kann nicht nachvollziehen, was ich mir dabei gedacht habe. Streß und Zeitnot scheinen mir zuzusetzen. 

 51) S*5d      52) +P5g-5h
 53) G6ix5h    54) P*5c
 
An dieser Stelle merke ich, was für eine Dummheit ich mit S*5d begangen habe. Und es wird nicht besser. Mit R8e, G7i, S6e hätte ich die Situation noch retten können. Aber das sehe ich nicht und gebe den Silber verloren. Dies ist die Wende im Spiel.

 55) P*6d      56) P5cx5d
 57) P6d-6c+   58) P6bx6c
 59) R6e-6c+   60) R5b-6b
 61) +R6cx6b   62) S7cx6b
 63) P5ex5d    64) R*6i

Mit R*8b oder R*8c habe ich hier starke Angriffe. Aber ich will zu viel - um R*8c, N7c, P5c+, Sx5c, Rx7c+ möglich zu machen muß der Läufer auf 3e weg.

 65) P3g-3f    66) B3e-4d
 67) B7gx4d    68) P4cx4d
 69) R*8c      70) N8a-7c
 71) P5d-5c+   72) S6bx5c
 73) R8cx7c+   74) B*5e
 
Das hatte ich übersehen. Das es ein Risiko ist die Königsdiagonale zu öffnen, war mir schon bewußt gewesen. Aber irgendwie hatte ich es versäumt, diese Diagonale auch in die andere Richtung zu überprüfen.

 75) B*3g      76) B5ex7c
 77) B3gx7c+   78) R6ix8i+
 79) P*5d      80) S5c-4b
 81) B*6e      82) K3b-2b
 83) P*6d      84) R*6i
 
Eigentlich wäre der Verlust des Turmes im Tausch gegen den Läufer keine große Sache gewesen. Aber er hat mich lange genug aus dem Tritt gebracht, daß ich einige wirklich dumme Züge machen konnte. Diese beiden Bauern zu befördern und damit anzugreifen benötigt viele Züge die ich nicht mehr habe. In der Zwischenzeit blockieren sie meine Läufer. Und ich kann nichtmal mehr meine Verteidigung mit P*5i stärken. Der folgende Angriff auf meine Festung ist so stark, daß nicht einmal der ungedeckte Läufer auf 6e meinen Gegner interessiert.
 
 85) G4i-5i    86) R6ix5i+
 87) G5hx5i    88) +R8i-5i
 89) N*4i      90) S3a-3b

Meine letzte Chance für einen Angriff. P6c+, eventuell nachdem durch P5c+ eine gegnerische Figur nach 5c gelockt wurde. Statt dessen schwäche ich meine Festung.

 91) R*5g      92) +R5ix5g
 93) N4ix5g    94) R*5i
 95) P5d-5c+   96) S*4i
 97) S3hx4i    98) R5ix4i+
 99) R*3i     100) +R4i-5h
101) S*3h     102) S*4h
103) R3i-8i   104) S4bx5c
105) B6ex7d   106) S4hx5g+

Mit dem Läufer auf 7d würde jetzt +B7c-6c einen letzten Angriff erlauben. Für den Angriff mit P6d-6c+ hätte der Läufer auf 6e bleiben müssen.
Die dummen Fehler kommen jetzt in immer kürzeren Abständen. 

107) P6d-6c+  108) S5c-4b
109) B7d-6e   110) N*5c
111) B6e-5d   112) S4b-4c
113) B5dx4c+  114) S3bx4c
115) P3f-3e   116) P3dx3e
117) P*3d     118) S4cx3d
119) P*5d     120) N5c-4e
121) +P5d-5c  122) N*3f
123) K2h-1h   124) N3c-2e
125) S*4c     126) B*3i

Spätestens hier hätte mein Gegner schon ein Tsume gehabt. Aber das ist jetzt auch schon egal.

127) S4cx3d=  128) N4e-3g+
129) +P5c-4c  130) B3i-2h+

Matt. Ein einzügiges Matt zu übersehen ist der perfekte Abschluß dieser Serie von Fehlern. Dabei war ich wohl mit der besseren Stellung aus der Eröffnung herausgekommen. Aber als dann die Zeit knapp wurde begann ich Fehler zu machen. Mein Gegner hatte dieses Problem nicht. Glücklicherweise liefen meine anderen Spiele in diesem Turnier besser.


Zur Seite Shogi in Shanghai geht es hier.

Alle Fotos auf dieser Seite hat Misako Iijima-Rövekamp gemacht. Das komplette Fotoalbum ist bei Picasa veröffentlicht.

 

Counter